Auf der Suche nach einer verlorenen Landschaft

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Auf der Suche nach einer verlorenen Landschaft
Manuskript und Regie: Leo Kantor
Foto: Jacek Knopp
Wissenschaftliche Beratung: Tamara Włodarczyk, M.A. Universität Wroclaw
Deutsche Übersetzung: Dr. Ingrid Bohn, Kiel
Warum machen wir diesen Film?
Die Polen sagen heute stolz, dass Breslau eine ihrer schönsten Städte und ein kulturelles Zentrum sei. Doch in den Betrachtungen des historischen Erbes der Stadt und der Region klafft eine große Lücke: Sie betrifft ein äußerst sensibles Thema – die jüdische Geschichte Breslaus. Die ahnenreiche jüdische Geschichte vor dem Zweiten Weltkrieg, die mit Hitlers Machtübernahme ihr Ende fand, und die einzigartige Nachkriegsgeschichte, als Breslau und die Region Europas größte jüdische Oase der vor dem Holocaust Geretteten geworden war. 100 000 Juden lebten 1946 in 40 verschiedenen kleineren Städten Niederschlesiens und etwa 15 000 in Breslau selbst. Ihrer aller Traum von einem normalen Leben wurde jäh beendet, als 1946 während des Pogroms in Kielce 42 polnische Juden – Männer, Frauen und Kinder – getötet wurden. Dieser Traum wurde endgültig zerstört, als 1968 nach dem sogenannten Sechstagekrieg Israels und der arabischen Staaten eine hasserfüllte, intensive und wohlorganisierte antisemitische Kampagne der polnischen Kommunisten gegen alle Juden, die in Polen lebten, geführt wurde. Das Jahr 1968 mit den sogenannten Märzereignissen bedeutet für Breslaus reiche und phantastische jüdische Geschichte die letzte und definitiv endgültige Zäsur. Heute finden sich nur noch 90 Juden dort, von denen die Hälfte nicht mehr das Haus verlassen kann, einsam und krank. Das bedeutet nicht, dass es in ganz Polen und in Breslau kein vielfältiges Kulturleben oder auch Festivals mehr gebe, aber von Breslaus jüdischem Erbe handelt kein einziges Gedicht, keine Erzählung, kein Essay, geschweige denn ein Film. Breslaus jüdisches Erbe ist nicht nur in Polen, sondern auf der ganzen Welt unbekannt. Und von diesem jüdischen Breslau, dem jüdischen Wroclaw, muss erzählt werden – nicht nur, weil Breslau 2016 Europäische Kulturhauptstadt sein wird, sondern auch, um dieses Erbe der europäischen Erinnerungskultur zu bewahren und nicht zuletzt, weil es der Anstand gebietet. Ist Polen bereit, dieses Thema aufzugreifen? Die ersten Signale sind äußerst zurückhaltend, obwohl Leo Kantor dort als bedeutsame Kulturpersönlichkeit anerkannt ist, verschiedenen Jurys angehört und in den größten Tageszeitungen publiziert.
Im Material für diesen Film finden sich einzigartige Bildquellen, zum größten Teil noch unveröffentlicht, insbesondere was die Zeit nach 1945 betrifft. Es gibt noch Menschen, die Auskunft geben, die ein paar Worte sagen können. Bald werden diese Menschen verschwunden sein, die Bilder versteckt in dunklen Archivmagazinen. Ein junger Professor und Leiter der Abteilung Judaistik an der Universität Breslau wollte schon heute keines der Bilder aushändigen, die er vor kurzem von dem 92-jährigen Herrn Robak, der in unserem Film auftritt, erhalten hat.
Filmautor und Regisseur ist Leo Kantor, Politikwissenschaftler und Journalist sowie Direktor des internationalen Dokumentarfilmfestivals „Humanity in the World“ in Stockholm. Sein Film „Redcurrents“ (2011) über die kleine Stadt Striegau (Strzegom) 56 Kilometer von Breslau wurde exzellent aufgenommen und erhielt im Frühjahr 2012 ebenso exzellente Filmkritiken. Der Film wurde am 27. Januar 2012 im schwedischen Parlament vorgeführt und wird nun in der ganzen Welt auf verschiedenen Festivals gezeigt. Er ist auch Bestandteil des Lehrplans des Pädagogischen Instituts der Universität Stockholm. Leo Kantor verließ Polen 1968, von der Universität Oppeln (Opole) verwiesen aufgrund seiner jüdischen Herkunft. Bis
Kommentar [IB1]: I manuset näms 40
2001 arbeitete er an der Universität in Stockholm. Im Jahre 1990 erhielt er vom polnischen Kultusminister eine Auszeichnung für seine bedeutenden Einsätze, die polnische Kultur zu vermitteln.
Der Film soll eine Länge von 45 Minuten haben und mit polnischem, englischem und deutschem Text versehen sein.
Das Budget wird bei ca. 50 000 Euro liegen.
Die Produktion soll vom Internationalen Kulturforum in Stockholm übernommen werden, das einen registrierten Revisor, einen Vorstand und eine sorgfältige Buchführung aufzuweisen hat.
Die Juden – Vorgänger der europäischen Gemeinschaft – immer hier, immer heimisch und immer fremd. Sie lebten in Breslau mehr als 800 Jahre. Dies ist ihre Geschichte.

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